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Programmieren: Entfaltung einer Geistesgeschichte

By Jodok Vieli 10 days ago 284 Views No comments
Programmieren: Entfaltung einer Geistesgeschichte

Im Schuljahr 2019/2020 führt der Kanton Zürich das Modul Medien und Informatik auch für die

Sekundarschulen ein und folgt damit der Zielsetzung des Lehrplans 21, Schülerinnen und Schüler auf eine

zunehmend durch informationsverarbeitende Systeme geprägte Welt vorzubereiten. Die Umstellung sieht

sich mit vielen Hürden konfrontiert. Nicht zuletzt, weil die Entwicklung und Verbreitung von Computern

mit rasender Geschwindigkeit vor sich ging – Windows 98 liegt nicht viel länger als ein Heranwachsen

zurück - und somit ein Gros der Lehrpersonen selbst nie eine Schulung in informatischen Kompetenzen

erhielt.

Informatik und das Denken in Codes sind allerdings keine rein technischen Gebiete. Sie entspringen einer

Geistesgeschichte, die zurückreicht bis Aristoteles und als Denklehre der Logik von allen philosophischen

Schulen weiterentwickelt wurde. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte sie schon um die vorletzte

Jahrhundertwende durch die Arbeiten zur Aussagenlogik von Russel, Pierce und Frege.


Den Verbund von Logik und Sprache erfahren

Für einen Grossteil der Geistesgeschichte war Logik ein Instrument, welches im Verbund mit Sprache zur

Erkenntnisgewinnung genutzt wurde. Anhand beider konnten alte Ideen geprüft sowie neue Ideen

überhaupt erst erschlossen und gedacht werden. Mit der Entwicklung von Computern und

Programmiersprachen dient dieser Verbund nun nicht mehr ausschliesslich der abstrakten Reflektion oder

der theoretischen Produktion. Er wurde auch zu einem sehr realen Werkzeug, welches direkt und handfest

in die physische Welt wirkt, Informationen verwaltet und wiederum fortwährend neue Information

produziert. Logik als System im Allgemeinen und als Computersystem im Speziellen erfährt dadurch eine

neue Autonomie. Sie erfährt eine neue Unmittelbarkeit. Sie erfährt eine zuvor nie gekannte Verbreitung in

der Bildung. Und letztlich können wiederum wir den virtuellen Raum der Informatik dazu nutzen, Logik

neu erfahrbar zu machen, uns an ihr zu schulen, sie zu testen und stetig zu entwickeln.

Damit verliert sie aber nicht ihre Wurzel. Sie bleibt auch ein Werkzeug der Erkenntnistheorie, der

sprachlichen Kohärenz und Präzision, dem folgerichtigen Aufbau von Argumentationen und ein Feld

kreativer Ideenproduktion. Logische Schulung im Feld der Informatik ist als Denklehre also nicht nur

grundlegend für alle technischen Kompetenzen, sondern auch für alle geisteswissenschaftliche Arbeit, für

alle politische Arbeit, für kreative Arbeit, für soziale Arbeit und für jede auch alltägliche sprachliche

Interaktion.


Denklernen

Zusätzlich zu den in den Schulen angebotenen Grundlagen lohnt es sich also, sich vertieft mit dem

logischen Aufbau sowie dem Vokabular einer Programmiersprache zu befassen. Dazu gibt es

Online-Plattformen, welche spielerisch die Grundkonzepte vermitteln; es gibt Programme zum

Selbststudium; und es gibt im Raum Zürich Anbieter von geleiteten Vertiefungskursen.


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