Swipe to the left

Das Didgeridoo - weit mehr als ein altes Musikinstrument!

By admin admin 15 days ago 250 Views No comments
Das Didgeridoo - weit mehr als ein altes Musikinstrument!

Von Mo Güttinger

Didgeridoo-Spielen ist uralt und modern, sehr vielseitig und sogar gesund, wie neuste Forschungen beweisen. Mit dem Didgeridoo Musik zu machen ist also nur eine der Möglichkeiten. Das «einfache Holzrohr» der Ureinwohner Australiens ist eines der ältesten Instrumente der Welt und hat erst vor rund 50 Jahren von Arnhem Land im Norden Australiens, seine Reise rund um die Welt angetreten. Heute ist es in unserem Alltag angekommen.

Aus anderen Welten

Die Australische Band «Yothu Yindi» war eine der ersten, die das Didgeridoo mit westlicher Popmusik verband. Würde man einen Yolngu, einen Angehörigen des Yolngu-Stammes aus Arnhem Land fragen, würde er traditionell nicht von einem «Didgeridoo» sprechen. Da wo das Instrument herkommt, hat man dafür andere Bezeichnungen. Häufig sind «Mago», «Yidaki», «Yirdaki». «Didgeridoo» ist ein Name, den die Weissen dem «Holzrohr» gegeben haben.

In seiner Herkunftskultur stand und steht das Didgeridoo seit jeher stark in einem zeremoniellen Zusammenhang. Die Klänge des Didgeridoos ermöglichen in den Zeremonien - etwa der Yolngu - zusammen mit Gesang, Clapsticks und Tanz eine Verbindung zur sogenannten «Traumzeit», der Schöpfungswelt der Ureinwohner Australiens. Larry Gurruwiwi, der Sohn des legendären Djalu Gurruwiwi ist einer der Hüter und Vermittler des Wissens um diese Zusammenhänge.

Verschmelzung der Kulturen

Wo Kulturen sich treffen vermischt sich Wissen und kultureller Ausdruck. Dies hat zu diversen Spieltechniken auf dem Instrument geführt. Zum Beispiel werden heute Beat-Box-Sounds aus dem Hip-Hop auf dem «Holzrohr» umgesetzt. Oder sogenannte «Aircodes», das sind Luftgeräusche, die zu ganz eigenen Klangerlebnissen führen. Wegbereiter dieses Spielstils, der sich ca. vor 15 Jahren zu verbreiten begonnen hat, sind der Kroate Dubravko Lapaine und der Tscheche Ondřej Smeykal. Man spricht heute von verschiedenen Spielstilen, so zum Beispiel «Traditional und Contemporary Style», eben «Aircode» oder «Yidaki-Style». Davon gibt es alle erdenklichen Mischformen.

Was darf’s denn sein?

Und was heisst hier Holzrohr! Didgeridoos gibt es inzwischen aus allen möglichen Materialien, aus Carbon – leicht zum Mitnehmen – aus Epoxidharz, aus Ton, Glas, Leder. Was ursprünglich ein von Termiten ausgefressener und mit «einfachen» Mitteln präparierter Eukalyptus-Stamm war, ist von einigen Didgeridoo-Bauern zu einem Hightech-Instrument entwickelt worden. Einige Didge-Bauer verwenden auf dem Computer berechnete, klangphysikalische Komponenten, um den optimalen Sound hervorzubringen. Andere arbeiten intuitiv und erzielen Spitzenresultate. Es gibt Händler, die echte australische Eukalyptus-Didgeridoos importieren und einige Bauer, die aus heimischen Hölzern hervorragende Didgeridoos bauen. Manch einer hat ein gutes selbstgefertigtes Didgeridoo aus Bambus zuhause. Zu den besten Didge-Bauern in der «Umgebung» gehört Eddy Halat (DE) – und mit der Bemalung durch seine Partnerin Eva werden diese Didgeridoos zu Kunstwerken.

Die Entwicklung der Instrumente geht mit der Entwicklung des technisch-musikalisches Könnens einher. Beides bedingt sich gegenseitig und hat zu einem Niveau geführt, welches dem Instrument eigentlich den Einzug an Musikhochschulen ermöglichen sollte. Doch die Anerkennung des Didgeridoos als «echtes Musikinstrument» lässt noch auf sich warten. Und so wird Didgeridoo wie seit tausenden von Jahren von Mund zu Mund (auch per Skype J), bei Privatlehrern und Lehrerinnen, oder an Kursen und an Festivals vermittelt. Es gibt keine Noten und viele Wege führen zum Erfolg – auch der autodidaktische. Das ist eben auch das Schöne an der Didgeridoo-Welt.

Der einfache Einstieg geht ohne Noten

Um zu Starten braucht man und frau auch erst mal kein musikalisches Wissen und auch kein Notenlesen. Das ist für viele Interessierte der beste Zugang zu eigenem musikalischem Ausdruck und der Start einer langjährigen Beziehung zu einem wundervollen Instrument – einem Instrument voller Wunder. Eben nicht nur in «unserer» Musik hat das Didgeridoo Einzug gehalten. Man findet es in der Klangtherapie, in der Mediation, Menschen gehen ihre eigenen Wege mit dem Didgeridoo, verbinden sich im Spiel tief mit einer natürlichen Urkraft, finden Entspannung vom hektischen Alltag und nicht selten auch einen Zugang zu einer inneren Weisheit. Das kommt nicht von ungefähr. Es ist eben auch ein «Traumzeit-Instrument».

Atem und Gesundheit auf verschiedenen Ebenen

Didgeridoo-Spielen bringt das Atmungssystem in Fluss, beruhigt und zentriert den Geist. Kontrolliertes Atmen und Atemtraining wird seit alters her Zeit eingesetzt, um Stress abzubauen oder sich in andere Gemüts- und auch Bewusstseinszustände zu bringen. Dies passiert auch beim Didgeridoo-Spielen. Die Sauerstoffzufuhr wird erhöht, was einen deutlichen Stellenwert für die Gesundheit hat.

Die spezielle «Zirkular-Atmung» ermöglicht einem, einen unendlich langanhaltenden Ton zu spielen und dabei Luft zu holen. Die Technik ist nicht ganz einfach zu erlernen, aber so bestechend, dass auch andere Holz- und Blechbläser wie Trompeter, Alphornspieler, Klarinettisten sie sich unterdessen angeeignet haben.

Schnarchen und Schlafapnoe

Als angenehmer Nebeneffekt stärkt das Spielen die Rachen, Bauch- und Lungenmuskulatur. Und somit wird das Didgeridoo-Spielen seit neuerem auch gegen Schnarchen und Schlafapnoe eingesetzt. Diese Wirkung haben Schweizer Forscher um Milo Puhan von der Universität Zürich 2005 festgestellt und damit 2017 den IG-Nobelpreis gewonnen. Bei regelmässigem Üben (25 min pro Tag über ein halbes Jahr) werden die Beschwerden von Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe verbessert. Allein das Didgeridoo-Spiel an sich ist aber noch keine Therapie gegen Schnarchen und Schlafapnoe wie fälschlicherweise in den Medien berichtet wurde. Es gibt wunderschön schnarchende Didgeridoo-Spieler und Spielerinnen. Es braucht schon die ganz gezielten Übungen, die fast nichts mit dem musikalischen Spiel zu tun haben. Diese Übungen sind verhältnismässig einfach zu erlernen, das Durchhalten ist dann Willenssache.

Schwiizer Szenä

In der Schweiz gibt es eine Didgeridoo-Szene und sogar ein Didgeridoo-Festival, das eigens dem Instrument gewidmet ist. Es findet immer im September in Bern statt. Dort kann man die ganze Bandbreite des Instruments erleben – und auch viele internationale Stars der Szene kennenlernen. Die Basics sind schnell erlernbar, am einfachsten in 2-3 Kursen direkt bei Mo Güttinger.

Zu den Kursen von Mo Güttinger geht es hier:

https://www.qurs.ch/kunst/musik/000b1-2019-7-didge...